Disclaimer: Dieser Blogartikel ist eine Zusammenfassung des Online-Workshops „Von der Impactmessung zur Impactgestaltung“, den das Platform Coops Team am 22. Juni 2026 durchgeführt hat. Der Beitrag basiert auf den Inhalten, Methoden und Diskussionen aus dem Workshop. Die Aufzeichnung des Workshops wird ebenfalls in diesen Artikel eingebettet und ergänzt die schriftliche Zusammenfassung um die Präsentation, Erläuterungen und Beispiele aus der Veranstaltung.

Der Workshop ging der Frage nach, wie Platform Coops ihre Wirkung nicht nur messen, sondern aktiv gestalten können: Welche Veränderungen wollen wir erreichen? Wie unterscheiden wir Aktivitäten, Reichweite und tatsächliche Wirkung? Und welche Werkzeuge helfen dabei, Wirkungslogiken sichtbar zu machen und Organisationen weiterzuentwickeln?

Von der Impactmessung zur Impactgestaltung: Wirkung neu denken

Viele gemeinwohlorientierte Organisationen beschäftigen sich mit der Frage: Wie können wir unsere Wirkung messen? Gerade für Platform Coops – also digitale Plattformen in gemeinschaftlichem Eigentum ihrer Nutzer oder Mitglieder – ist diese Frage zentral. Denn ihr Erfolg lässt sich nicht allein an Umsatz, Wachstum oder Nutzer messen. Entscheidend ist: Welche Veränderungen entstehen durch unsere Arbeit? Wie unser Workshop-Titel schon sagt: Wirkungsmessung beginnt nicht mit Zahlen. Sie beginnt mit einer gemeinsamen Verständigung darüber, was Wirkung eigentlich bedeutet.

Wirkung ist mehr als Aktivität, Reichweite oder gute Absichten

Ein häufiger Fehler im Wirkungsmanagement ist, dass Aktivitäten, Reichweite und Wirkung miteinander verwechselt werden. Eine Aktivität beschreibt zunächst nur, was eine Organisation tut: Etwa, eine Veranstaltung organisieren oder einen Workshop durchführen. Diese Aktivitäten sind wichtig, aber sie sind noch keine Wirkung. Ein Beispiel: Eine Genossenschaft organisiert einen Workshop für 100 Menschen zum Thema demokratische digitale Ökonomie. Die Aktivität ist der Workshop. Die eigentliche Wirkung entsteht erst danach: Vielleicht verändern 20 Teilnehmende ihre Arbeitsweise, gründen neue Kooperativen oder setzen eigene Projekte um.

Aktivität beschreibt unser Handeln. Wirkung beschreibt die Veränderung, die daraus entsteht.

Auch Reichweite ist nicht automatisch Wirkung. Eine Plattform kann viele Menschen erreichen: 10.000 Website-Besucher:innen, 2.000 Newsletter-Abonnent:innen oder 500 Teilnehmende bei Veranstaltungen. Das sind wertvolle Kennzahlen. Sie zeigen Sichtbarkeit und Interesse. Auf die entscheidende Frage gehen sie allerdings nicht ein: Hat sich dadurch etwas verändert? Ein Video kann beispielsweise 50.000 Aufrufe erzielen. Wenn niemand danach sein Verhalten verändert, Wissen weitergibt oder aktiv wird, bleibt die tatsächliche Wirkung gering. Auch die Absicht einer Organisation ist nicht dasselbe wie ihre Wirkung. Viele Projekte starten mit klaren Zielen, etwa Menschen stärker beteiligen, Wissen zugänglich machen, neue Zielgruppen erreichen oder mit dem Wunsch, demokratische Prozesse zu fördern. Diese Ziele sind wichtig. Aber Wirkung muss überprüft werden. Vielleicht erreicht eine Plattform trotz guter Absicht weiterhin nur dieselben Expert statt neuer Communities. Die gewünschte Wirkung ist dann noch nicht eingetreten. Wirkungsorientiertes Arbeiten bedeutet deshalb, nicht nur zu fragen: Was machen wir?, sondern auch Was verändert sich dadurch?

Vom Messen zum Gestalten: Wirkungsmanagement als Lernprozess

Wirkungsmessung sollte nicht nur am Ende eines Projekts stattfinden. Für gemeinwohlorientierte Unternehmen ist Wirkung vor allem ein kontinuierlicher Gestaltungsprozess. Die Frage lautet: Wie können wir unsere Organisation so entwickeln, dass gewünschte Veränderungen wahrscheinlicher werden? Dafür gibt es verschiedene Methoden und Werkzeuge. Nachfolgend stellen wir einige relevante Tools vor:

Die IOOI-Methode: Von Ressourcen zu gesellschaftlicher Veränderung

Eine der bekanntesten Methoden im Wirkungsmanagement ist die IOOI-Wirkungskette: Input → Output → Outcome → Impact. Sie hilft dabei, die verschiedenen Ebenen eines Projekts voneinander zu unterscheiden.

  • Input: Welche Ressourcen setzen wir ein? Hier geht es um die Voraussetzungen für ein Projekt, also Geld, Arbeitszeit, Personal, Wissen etc.
  • Output:Was entsteht direkt durch unsere Arbeit? Der Output beschreibt konkrete Leistungen: Anzahl organisierter Workshops, entwickelte Software, veröffentlichte Inhalte oder Community-Angebote. Outputs sind gut messbar, aber sie zeigen noch nicht die eigentliche Veränderung.
  • Outcome: Was verändert sich bei Menschen und Organisationen? Hier beginnt die eigentliche Wirkung: Menschen erwerben neues Wissen, Fähigkeiten verbessern sich, Einstellungen verändern sich, Nutzer:innen beteiligen sich stärker oder Organisationen übernehmen neue Praktiken.
  • Impact: Welche langfristige gesellschaftliche Veränderung entsteht? Impact beschreibt die langfristigen Effekte, zum Beispiel mehr demokratische Kontrolle über digitale Infrastruktur, gerechtere Arbeitsbedingungen oder stärkere lokale Wertschöpfung.

Die Herausforderung: Je weiter wir in Richtung Impact gehen, desto komplexer wird die Messung. Denn gesellschaftliche Veränderungen entstehen selten durch eine einzige Organisation allein.

Die Wirkungstreppe: Der Weg von Aktivität zu Veränderung

Die Wirkungstreppe macht sichtbar, dass Wirkung mehrere Stufen hat. Sie wurde im deutschsprachigen Raum besonders durch PHINEO bekannt gemacht und verbreitet. Sie basiert auf internationalen Ansätzen wie Logic Models und Theory of Change. Die zentrale Erkenntnis: Nicht alles, was wir zählen können, ist Wirkung. Eine Veranstaltung lässt sich leicht zählen. Eine tatsächliche Veränderung im Verhalten oder in gesellschaftlichen Strukturen ist deutlich schwieriger zu erfassen. Für gemeinwohlorientierte Unternehmen kann die Wirkungstreppe helfen, genauer hinzuschauen: Wie viele Menschen nutzen unsere Plattform? Was lernen oder verändern sie dadurch? Welche neuen Formen der Zusammenarbeit entstehen? Welchen Beitrag leisten wir zu einer demokratischeren digitalen Wirtschaft? Die Wirkungstreppe ist dabei kein vollständiges Abbild der Realität. Soziale Veränderungen entstehen durch viele Faktoren. Trotzdem bietet sie einen guten Einstieg, um Wirkungslogiken gemeinsam im Team zu reflektieren.

Theory of Change: Die eigene Wirkungslogik verstehen

Während Wirkungsmethoden häufig fragen Was ist passiert?, fragt die Theory of Change: Warum glauben wir, dass unsere Arbeit zu dieser Veränderung führt? Die Theory of Change ist weniger ein Messinstrument als ein Denk- und Planungsmodell. Sie macht Annahmen sichtbar: Welches Problem wollen wir lösen? Welche Veränderung wollen wir erreichen? Welche Schritte führen dorthin? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein? Gerade für Platform Coops ist dieser Ansatz wertvoll, weil ihre Wirkung oft systemischer Natur ist. Eine Plattform schafft nicht automatisch mehr Demokratie. Entscheidend ist beispielsweise: Haben Mitglieder tatsächlich Mitbestimmungsmöglichkeiten? Sind Entscheidungsprozesse transparent? Werden unterschiedliche Perspektiven einbezogen?Entstehen neue Formen gemeinschaftlichen Wirtschaftens? Eine gute Theory of Change entsteht idealerweise gemeinsam mit Mitgliedern, Nutzer und anderen Stakeholdern.

Impact Business Model Canvas: Wirkung in das Geschäftsmodell integrieren

Das klassische Business Model Canvas hilft Organisationen dabei, ihr Geschäftsmodell zu verstehen. Das Impact Business Model Canvas erweitert diesen Ansatz um die Wirkungsdimension. Die zentrale zusätzliche Frage lautet: Welche gesellschaftliche oder ökologische Veränderung entsteht durch unser Geschäftsmodell? Für Platform Coops bedeutet das beispielsweise: Wer profitiert von der Plattform? Welche Bedürfnisse erfüllt sie? Welche Veränderungen entstehen bei Nutzer? Welche positiven und negativen Auswirkungen hat das Modell? Das Canvas eignet sich besonders für kontinuierliches Wirkungsmanagement. Teams können es regelmäßig überprüfen und weiterentwickeln – beispielsweise einmal pro Quartal.

Gemeinwohlbilanz: Organisationen am Gemeinwohl ausrichten

Die Gemeinwohlbilanz betrachtet Organisationen nicht nur aus finanzieller Perspektive. Sie fragt: Welchen Beitrag leisten wir für Menschen, Gesellschaft und Umwelt? Dabei werden verschiedene Bereiche bewertet, wie etwa Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit oder ökologische Nachhaltigkeit. Die Erstellung einer Gemeinwohlbilanz ist ein Entwicklungsprozess: Zunächst analysiert die Organisation ihre Tätigkeiten anhand einer Matrix, dann werden die Ergebnisse dokumentiert und bewertet. Eine externe Prüfung kann die Ergebnisse bestätigen. Die Gemeinwohlbilanz kann interessant sein, weil sie viele Werte kooperativer Organisationen sichtbar macht: demokratische Beteiligung, soziale Verantwortung und nachhaltiges Wirtschaften.

B Corp: Wirkung systematisch prüfen lassen

Eine weitere Möglichkeit, die eigene Wirkung sichtbar zu machen, ist die Zertifizierung als B-Corp durch B-Lab. Das Verfahren bewertet Unternehmen anhand des sogenannten B Impact Assessments in fünf Bereichen: Unternehmensführung, Mitarbeitende, Gemeinschaft, Umwelt, Kund:innen. Zusätzlich verpflichtet sich eine B Corp rechtlich dazu, nicht nur die Interessen von Anteilseigner, sondern auch die Auswirkungen auf Umwelt, Mitarbeitende und Gesellschaft zu berücksichtigen.

Sozial Audit: Unternehmensleistungen im Einklang mit sozialen Zielen

Sozial Audit  ist ein Verfahren, das die Leistungen eines Unternehmens / einer Organisation im Verhältnis zu den sozialen Zielen beurteilt. Unsere Kooperationspartner TechNet bieten dieses Modell für Sozialunternehmen an.  Es ist ein modular aufgebautes, sich zyklisch wiederholendes Verfahren, das folgende Elemente beinhaltet: Bestimmung der Mission, der Grundwerte und der sozialen Ziele des Unternehmens / der Organisation, Durchführung der sozialen Buchführung, einschließlich der Stakeholder-Konsultationen, Erstellung eines Sozial-Audit-Berichts sowie abschließend die Auditierung / Zertifizierung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für gemeinwohlorientierte Unternehmen Wirkung vor allem Gestaltung statt Nachweis bedeutet.

Wirkungsmessung wird oft als Berichtspflicht verstanden. Doch für Sozialunternehmen liegt darin eine größere Chance: Wirkungsmessung kann zu einem Werkzeug der Organisationsentwicklung werden. Gerade kooperative Plattformen verfolgen häufig Ziele, die über klassische Wachstumslogiken hinausgehen, wie beispielsweise die demokratische Kontrolle digitaler Infrastruktur oder die faire Verteilung von Wertschöpfung. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur die Frage nach der Wirkung, sondern :Welche Wirkung wollen wir gestalten – und wie können wir unsere Organisation danach ausrichten?

Vom Impact-Messen zum Impact-Gestalten: Genau hier beginnt wirkungsorientierte Entwicklung.

In diesem geteilten Ordner findet Ihr alle Workshop-Materialien: https://nextcloud.platformcoop.de/index.php/s/H4xsejEToiMoxjq
Eine ausgezeichnete Sammlung von Wirkungstools findet Ihr auf der Website der SIGU-Plattform: https://sigu-plattform.de/sozialinnovatorinnen/wirkungstools/

Aufzeichnung des Online-Workshops:

Gefördert durch BMWE, EU, Ibykus