Gemeinwohlorientierung als Zukunftsmodell

Warum wir Wirtschaft neu denken müssen – und wie kooperative Ansätze konkrete Antworten liefern

Immer mehr Organisationen, Sozialunternehmen und Initiativen suchen nach Wegen, wirtschaftliche Stabilität mit sozialer Verantwortung, ökologischer Nachhaltigkeit und demokratischer Teilhabe zu verbinden. Genau hier setzt Gemeinwohlorientierung an.

Mit dem Handlungsleitfaden Gemeinwohlorientierung hat Platform Coops eG einen praxisnahen Orientierungsrahmen entwickelt, der zeigt, wie gemeinwohlorientiertes Wirtschaften konkret aussehen kann.

Was bedeutet Gemeinwohlorientierung wirklich?

Gemeinwohlorientierung beschreibt unternehmerisches Handeln, bei dem der gesellschaftliche Nutzen Vorrang vor der Gewinnmaximierung hat. Wirtschaftlicher Erfolg bleibt wichtig – aber als Mittel, nicht als Selbstzweck. Gemeinwohlorientierte Organisationen…

  • verfolgen soziale, ökologische oder kulturelle Ziele,

  • orientieren Entscheidungen an den Bedürfnissen von Stakeholdern (Mitarbeitende, Community, Umwelt),

  • handeln transparent und verantwortungsvoll,

  • und reinvestieren Überschüsse überwiegend in Wirkung und gemeinschaftlichen Mehrwert.

Im Unterschied zu CSR oder ESG ist Gemeinwohlorientierung keine Zusatzoption, sondern tief im Geschäftsmodell, in der Governance und in der Wertschöpfung verankert. Erfolg wird nicht nur finanziell gemessen, sondern auch an gesellschaftlicher Wirkung, ökologischer Integrität und demokratischer Teilhabe.

Ein verbindendes Prinzip alternativer Ökonomien

Der Leitfaden macht deutlich: Gemeinwohlorientierung ist ein übergreifendes Konzept kooperativer Ökonomien. Sie verbindet ganz unterschiedliche Felder alternativen Wirtschaftens – von Sozialunternehmen über solidarische Landwirtschaft, Plattform-Kooperativen, Commons- und Wissensnetzwerke bis hin zu Bildungs- und Peer-Strukturen.

Netzwerke wie SEND, SIGU, Verbund Kooperatives Wirtschaften, Genossenschaften Digital, das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft oder internationale Commons-Initiativen wie das Commons Network zeigen, dass kooperatives, gemeinwohlorientiertes Wirtschaften bereits heute funktioniert und skalierbar ist, wenn Kooperation statt Konkurrenz zum Leitprinzip wird.

Von Werten zu Strukturen: zentrale Handlungsfelder

Ein Schwerpunkt des Leitfadens liegt auf der Frage, wie Gemeinwohlorientierung praktisch umgesetzt werden kann. Dazu gehören unter anderem:

  • Selbstverständnis & Wertearbeit: Gemeinsame Klärung von Mission, Wirkung und Leitwerten als Grundlage aller Entscheidungen.

  • Demokratische Organisationsformen: Genossenschaften, kooperative GmbHs, Vereine oder Plattform-Kooperativen mit partizipativer Governance.

  • Gemeinwohlorientierte Finanzierung: Crowdfunding, Genossenschaftsanteile, solidarische Fonds oder Stiftungsmodelle statt renditegetriebener Kapitalinteressen.

  • Nachhaltigkeit & Wirkungsmessung: Gemeinwohlbilanz, SDGs, Theory of Change oder SROI als Instrumente, um Wirkung sichtbar zu machen.

  • Digitalisierung im Sinne des Gemeinwohls: Open Source, Datenhoheit, interoperable und kooperative Plattformen.

Gemeinwohlorientierung wird dabei als kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess verstanden – nicht als statischer Zustand.

Praxis zeigt: Gemeinwohl wirkt

Anhand konkreter Beispiele in Berlin zeigt der Leitfaden, wie gemeinwohlorientierte Prinzipien in der Kultur- und Kreativwirtschaft erfolgreich umgesetzt werden können. Faire Vergütung, partizipative Governance, gemeinsame Ressourcennutzung und ökologische Standards sind hier keine idealistischen Zusätze, sondern strategische Erfolgsfaktoren, auf deren Basis sich Projekte langfristig entwickeln können.

Ein offener Leitfaden – zum Mitgestalten

Wichtig: Dieser Handlungsleitfaden versteht sich nicht als abgeschlossenes Dokument. Der zugehörige Folder richtet sich ausdrücklich an alle, die Inhalte beitragen, Materialien hochladen, Beispiele ergänzen oder eigene Erfahrungen teilen möchten. Ziel ist eine wachsende, kollektive Materialsammlung, die Wissen bündelt und für unterschiedliche Kontexte nutzbar macht.

👉 Gemeinwohlorientierung entsteht durch Austausch, Praxis und gemeinsames Lernen.
👉 Zum Nextcloud-Folder mit PDF zum Download und Materialsammlung rund um Gemeinwohlorientierung: https://nextcloud.platformcoop.de/index.php/s/aCWkRp76pFximyA

Förderung & Dank

Diese Recherche und die Erstellung des Handlungsleitfadens wurden ermöglicht durch das NaWi-Förderprogramm „Nachhaltig Wirken“, gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF +) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWK). Dafür bedanken wir uns herzlich.